Erste Hilfe bei der Konzeption von Lernangeboten: das DO-ID-Modell

In der Konzeptionsphase meiner Arbeit, orientierte ich mich an einem Modell, welches ein ehemaliger Professor von mir entwickelt hat: das DO-ID-Modell. Das “Decision Oriented Instructional Design”-Modell” von Helmut M. Niegemann zeigt auf, welche Entscheidungen bei der Konzeption von multimedialen Lernumgebungen zu treffen sind.

Das Werk “Kompendium multimedialen Lernens” (Niegemann et al., 2008) stellt die Entscheidungsebenen des Modells vor und gliedert sich nach diesen. Das Handbuch bietet Hilfestellungen bei der systematischen Erstellung von Lerninhalten, indem es lern- und kognitionspsychologische Grundlagen behandelt und Entscheidungsalternativen mit ihren Aus- und Wechselwirkungen darstellt. Das Blättern in dem Buch hat mir sehr geholfen. Im Folgenden skizziere ich kurz die verschiedenen Ebenen des Modells.

Das DO-ID-Modell nach Helmut M. Niegemann, eigene Darstellung

Bevor es überhaupt an die Entscheidungsfindung geht, sollte man sich zunächst einmal über das Ziel des Projektes bewusst werden. Was soll mit dem Lernangebot später erreicht werden? Welches Problem soll damit gelöst werden? (Problemanalyse)

Weiterhin gilt es zu analysieren:
– Welcher Bedarf besteht für ein solches Angebot? (Bedarfsanalyse)
– Für welche Zielgruppen ist das Angebot gedacht? Welchen Hintergrund besitzen die Lernenden? Welche Vorkenntnisse haben sie? (Adressatenanalyse)
– Welches Wissen soll vermittelt werden? Welche Anforderung ergeben sich daraus an die Lernaufgaben? (Wissens- und Aufgabenanalyse)
Hier geht es um die didaktische Strukturierung des Angebots, d.h. welche Art von Wissen soll vermittelt, welche Kompetenzen erlernt und welche kognitiven und motorischen Operationen durchgeführt werden. Die Wissens- und Aufgabenanalyse bietet die Grundlage für spätere Designentscheidungen hinsichtlich Lehrstrategien, eingesetzten Medien, Methoden und Lernhilfen. Sie setzt lern- und kognitionspsychologische Kenntnisse voraus.
– In welchem Kontext soll das Angebot eingesetzt werden? Welche Rahmenbedingungen herrschen vor? (Analyse des Einsatzkontextes)
– Wie viel Ressourcen und Budget steht zur Verfügung (Kosten- und Ressourcenanalyse)

Wurden Antworten auf diese Fragen gefunden, sind Entscheidungen in folgenden Bereichen zu treffen:
Format: Struktur des Lernangebots (direkte Instruktion, problembasiertes Lernen, fallbasiertes Lernen oder auch aufgabengeleitete Simulation)
Content: Strukturierung des Lernstoffs (Auswahl, Segmentierung und Sequenzierung der Inhalte)
Multimedia-Design: die Auswahl, Gestaltung und Kombination verschiedener Medien (welche Sinneskanäle werden wie angesprochen)
Interaktionsdesign: Form und Ausmaß der Interkation zwischen dem Lernenden und der Lernumgebung
Motivationsdesign: Förderung und Aufrechterhaltung der Motivation der Lerndenden
Grafik/Layout: Gestaltungsfragen unter Berücksichtigung softwareergonomischer Aspekte und der Beachtung rechtlicher und ethischer Normen (Rechte, Barrierefreiheit)

Die Entscheidungen in den einzelnen Bereichen bedingen sich gegenseitig, sodass ein mehrstufiger Entscheidungsprozess in Gang gesetzt wird, bei dem es die verschiedenen Entscheidungen gegeneinander abzuwägen gilt. Die Umsetzung sollte von Usability-Tests begleitet werden.

Dieser Beitrag wurde verfasst von Stephanie Stelzer.

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