Eine Sicht auf Offenheit beim Forschen und Lernen

Die Universitätsbibliothek der TUHH (tub.) führte im Jahr 2018 unter anderem mit Förderung der Hamburg Open Online University (HOOU) das Projekt “Wissenschaftliches Arbeiten öffnen” durch. Im Rahmen eines von der tub. seit mehr als 10 Semestern organisierten Bachelor-Seminars zum Thema „Wissenschaftliches Arbeiten” schrieb die Studentin Anneke Sprengell im Wintersemester 2018/19 den folgenden Text, der mit Erlaubnis der Autorin im Blog der TUHH-Bibliothek zugänglich gemacht wird. Mehr zum Hintergrund der Schreibaufgabe, bei der dieser schöne Text entstanden ist, am Ende dieses Blog-Beitrages.

 

Einzelne Grafiken CC 0, Patrick Hochstenbach https://www.fosteropenscience.eu/trainers-materials

 


Offenheit beim Forschen und Lernen – Ein Geben und Nehmen

von Anneke Sprengell

(Creative Commons Lizenz Namensnennung 4.0 International CC BY)

In dem folgenden Essay geht es um den Begriff „Offenheit” insbesondere beim Forschen und Lernen. Hierbei werde ich meine eigene Vorstellung von diesem Begriff in den Fokus stellen.

Wie bereits dem Titel zu entnehmen ist, ist Offenheit beim wissenschaftlichen Arbeiten für mich ein Geben und Nehmen. Damit meine ich, dass man zum einen beim eigenen Forschen immer offen für andere Ideen sein sollte. Dies bedeutet, dass man sich zum Beispiel mit umfassender Literatur zu dem Thema beschäftigt. Es bringt nichts, sich hier zu versperren und alles selbst heraus finden zu wollen. Dies ist nur wahnsinnig zeit- und kräftezehrend und führt auch nicht zum gewünschten Erfolg. Neben der Literatur sollte man aber auch immer – wenn möglich – mit anderen über die eigene Arbeit reden und diskutieren. Dabei sollte man immer offen für andere Denkanstöße und Herangehensweisen sein.

Außerdem bedeutet Offenheit auch, dass man anderen seine Forschungsergebnisse zur Verfügung stellt. Vor allem, wenn man bedenkt, dass wir in der Wissenschaft keine absolute Gewissheit haben können. Beim wissenschaftlichen Arbeiten und Forschen ist es daher um so wichtiger, dass die eigenen Theorien auch von anderen Wissenschaftlern gehört und geprüft werden. Nur so kann man wissenschaftliche Theorien auch für wahr halten. Dafür ist es eben wichtig, dass andere Wissenschaftler diese Theorie ebenfalls für glaubhaft halten und die Arbeit überzeugend finden. Dies setzt Offenheit voraus. Andererseits bietet dies aber auch anderen die Möglichkeit, von dieser Arbeit zu lernen und dann davon ausgehend weiteres zu erforschen. Denn wir alle profitieren davon, wenn die Forschung weiterkommt.

Für mich persönlich bedeutet Offenheit auch, dass man versucht, seine erarbeiteten Ergebnisse für ein möglichst breites Publikum zugänglich zu machen. Natürlich ist dies nicht immer möglich, es sollte aber angestrebt werden. Ich finde, dass Stephen Hawking hier ein gutes Beispiel ist: Er war ein brillianter Physiker, der höchst komplexe Probleme erforscht hat. Er hat aber zusätzlich auch Bücher veröffentlicht, die es auch Nicht-Physikern ermöglichen an seinen Forschungsprojekten teilzuhaben. Dass die Forschung gegenüber der Gesellschaft offen ist, finde ich auch wichtig, da Forschung meist aus Steuergeldern finanziert wird. Daher schuldet die Wissenschaft der Gesellschaft auch eine gewisse Transparenz.

Im bisherigen Text habe ich mich sehr auf Offenheit im Zusammenhang zum wissenschaftlichen Forschen bezogen. Aber auch beim Lernen ist Offenheit sehr wichtig:

Es hilft immer weiter, wenn man mit anderen über seine Probleme beim Lernen offen redet. So kann man sich zum Beispiel komplizierte Sachverhalte erklären lassen. Dies funktioniert, aber nur, wenn man offen über seine Verständnisprobleme redet. Das mag zwar banal klingen, aber ich habe den Eindruck, dass sich viele Studenten dies teilweise nicht wirklich trauen. Aber auch das Kommunizieren und Diskutieren mit Kommilitonen, wenn keiner von beiden den Sachverhalt ganz verstanden hat, bringt meistens beide voran.

Ich hoffe, dass durch meinen kleinen Essay deutlich geworden ist, dass Offenheit beim Forschen und Lernen sehr vielschichtig ist, aber vor allem das Geben und Nehmen voraussetzt.


Soweit der Text von Anneke Sprengell.

Neben einer Hinführung zu den vielfältigen Aspekten wissenschaftlichen Arbeitens ist es ein weiteres Ziel des HOOU-Projektes “Wissenschaftliches Arbeiten öffnen” und des Bachelor-Seminars zum Thema „Wissenschaftliches Arbeiten”, Offenheit als Tugend wissenschaftlichen Arbeitens zu fördern.

Jedes Seminar startet mit einer kurzen Diskussion zur Frage „Was ist für Sie ein wichtiges Kennzeichen von Wissenschaft?” Zur Vertiefung und Nachbereitung wird eine erste, schriftlich abzuliefernde Hausaufgabe gestellt, wobei zwei kurze Texte verglichen sowie die Gemeinsamkeiten und Auffassungsunterschiede zu den Kennzeichen von Wissenschaft beschrieben werden sollen. Für Studierende der Ingenieurwissenschaften kann diese Hausaufgabe durchaus ein kleiner Schock sein, haben sie doch manchmal extra ein solches Fach gewählt, damit sie nicht schreiben müssen.

Als alternative Hausaufgabe für besonders Kreative wurde im Seminar vom Wintersemester 2018/19 die Aufgabe gestellt, einen Text, etwa ein Essay von bis zu zwei DIN-A4-Seiten zu folgenden Fragen schreiben: „Was bedeutet für Sie Offenheit, insbesondere beim Forschen und Lernen? Ist dies eine Haltung, hat sie was mit Zugang, Transparenz oder Freiheit, mit Bildung, Teilhabe oder Kollaboration zu tun? Welcher Aspekt von Offenheit ist für Sie besonders wichtig? Wählen Sie für Ihren Text selbst eine passende Überschrift. Sie müssen nicht alle der aufgeführten Fragen ‚beantworten’.”

Forschendes Lernen gehört an der TUHH mittlerweile zum Studium in vielen Bereichen dazu. Zum Forschen gehört auch das Schreiben und Publizieren. Letzteres ist ebenfalls für Studierende über das von der TU-Bibliothek gemanagte Open Access Repository TUHH Open Research (TORE) möglich. Beispiele dafür existieren schon.

Dieser Beitrag wurde verfasst von Thomas Hapke und Anneke Sprengell.

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