Die Entstehung des Hubschrauber Rätsels – ein Erfahrungsbericht

Die Entstehung des Hubschrauber Rätsels – ein Erfahrungsbericht

Startpunkt

Kniffelix ist das digitale Angebot von KINDERFORSCHER AN DER TUHH, welches im Rahmen der Hamburg Open Online University (HOOU) realisiert wird. Es handelt sich um einen Mitmach-Experimentierblog, auf welchem Kinder und Jugendliche kniffelige Alltagsrätsel unter die Lupe nehmen können. Im Rahmen von spaßigen, kurzen Geschichten (den einzelnen Kniffelix Rätseln) möchten wir zeigen, dass unser Alltag voller spannender Phänomene ist, denen man ganz einfach auf den Grund gehen kann. Wir möchten unsere jungen Nutzer dazu anregen, Alltagsbeobachtungen zu hinterfragen und ihre Hintergründe aufzudecken. Nach den Rätseln Pizza, Ketchup und Erde, sollte nun ein neues Rätsel folgen: das Hubschrauber Rätsel. Mit mir als neuer Mitarbeiterin ging es dann in die Planung des neuen Rätsels.

Brainstorming – grobe Planung

Nachdem ich Mitte April 2019 neu ins Team kam und mir einen ausgiebigen Überblick über die bisherigen Rätsel geschaffen hatte, ging es mit der Planung des neuen Hubschrauber Rätsels auch schon los. KINDERFORSCHER AN DER TUHH hatte bereits Experimentierkisten zum Thema Hubschrauber, die sich Schulen ausleihen können. Der Inhalt dieser Experimentierkisten sollte nun auch digital seinen Platz auf Kniffelix finden.

Bevor ich also mit der detaillierten Planung des Rätsels begann, habe ich mir zuerst die Experimentierkisten genauer angesehen. Ich habe mir die Lehreranleitungen durchgelesen, die Aufgaben angeschaut und natürlich auch selber durchgeführt.

Bild 1: Hubschrauber Experimentierkiste von KINDERFORSCHER AN DER TUHH

In dieser Experimentiereinheit geht man zuerst der Frage nach, was man braucht, um von der Idee im Kopf (z.B. einem Hubschrauber) zum Produkt zu kommen, nämlich Zeichnungen. Man erfährt, was 2D und 3D bedeutet und wer technische Zeichnungen erstellt. Anschließend baut man ein Hubschrauber Modell und zeichnet dieses in 2D (Vorder-, Seitenansicht und Draufsicht) und in 3D (isometrische Perspektive).

Bild 2: Kniffelix Hubschrauber-Modell aus Lego
Bild 3: Kniffelix Hubschrauber-Zeichnungen in der Vorder- und Seitenansicht sowie der Draufsicht
Bild 4: Kniffelix Hubschrauber-Zeichnung in der isometrischen Perspektive

Anschließend habe ich mir in Anlehnung an die bisherigen Rätsel und die Hubschrauber-Experimentierkisten überlegt, wie das Hubschrauber Rätsel grob aufgebaut werden soll. Dazu gehörte unter anderem die Planung der Anzahl der Missionen im Rätsel sowie die Anzahl der Teile pro Mission. Parallel dazu entstand die grobe Planung der Videos. Hierzu habe ich mir folgende Fragen gestellt:

  • Was soll inhaltlich über Videos transportiert werden?
  • In wie viele einzelne Videos soll dieser Inhalt aufgeteilt werden?
  • Wie kann ich diesen Inhalt gut vermitteln?
  • Welche Arten von Videos sind dafür sinnvoll? (Z.B. Einleitungsvideo mit Bezug zum Alltag, Video vom Bau eines Hubschrauber-Modells, Erklärvideos, Interviews)
  • Wie sind die einzelnen Videos aufgebaut?
  • Wer soll an den Videos mitwirken, z.B. wen möchte ich zur Berufs- und Studienorientierung interviewen?
  • Welche Drehorte sollen genutzt werden?

Nehmen wir als Beispiel das Intro-Video, also eine Einleitung in das Rätsel. Es soll die Verbindung zum Alltag der Kinder und Jugendlichen schaffen und eine einleitende Fragestellung geben. Im Hubschrauber Rätsel ist es die Beobachtung eines Hubschraubers mit der anschließenden Frage, wie ein solches Produkt eigentlich entstehen kann. Nachdem die Inhalte der Videos grob geplant waren, habe ich mich mit Stephan, unserem Videoproduzenten der HOOU, zusammengesetzt und mein Vorhaben besprochen. In einem intensiven Brainstorming inklusive Recherche haben wir einige Ideen für den Drehort des Intro-Videos gesammelt. Wir sind dabei auf Modellflugplätze gestoßen, die eine tolle Möglichkeit bieten, die Faszination für Hubschrauber mit dem spielerischen Aspekt von Modellhubschraubern zu verbinden. Ich habe schnell einen Hubschrauber-Modell-Flugplatz (HELI-CLUB-HAMBURG e.V.) gefunden, der großes Interesse hatte, uns in diesem Projekt zu unterstützen. Der Ansprechpartner am Flugplatz hat sich um einen Interviewpartner für uns gekümmert, mit dem wir auch die Flugszenen aufnehmen konnten. Ein weiteres Mitglied des Flugplatzes hat für uns 3D-Videos erstellt. Es war sehr schön zu sehen, wie engagiert auch die Öffentlichkeit mitgearbeitet hat.

Darüber hinaus mussten grobe Inhalte für die Missionstexte, Quizze, Aufträge und Community-Beiträge geplant werden. Außerdem habe ich eine erste Liste für benötigte Bilder angefertigt. Nachdem ich das Brainstorming mit der groben Planung beendet hatte, waren die einzelnen Arbeitspakete erkennbar, die es für die Erstellung des Rätsels brauchte. Ich habe daraufhin entsprechend einen Meilensteinplan erstellt, um den zeitlichen Ablauf zu planen.

Nun ging es ans Eingemachte

Was ich in den einzelnen Arbeitspaketen gemacht habe, möchte ich im Folgenden zeigen.

Videoproduktion

Für die Videoproduktion habe ich mir alle Materialien zusammengesucht, die ich zum Dreh brauchte. Für die Videos, in denen nur ich spreche, habe ich mir Skripts geschrieben und den Text gelernt. Für Videos, in denen ich jemanden interviewe, habe ich mir einige Fragen überlegt, die ich eventuell stellen könnte. Diese Fragen habe ich den Interview-Partner*innen vorab zur Verfügung gestellt und sie haben sich Gedanken darüber gemacht, wozu sie etwas sagen könnten. Sie hatten auch die Möglichkeit, Dinge zu ergänzen, die sie als wichtig erachten. Bevor wir die Interviews gedreht haben, habe ich mich jeweils kurz mit dem/der Interviewpartner*in zusammengesetzt und besprochen, worüber wir uns unterhalten werden. Das hat einerseits die Anspannung etwas genommen und andererseits kamen wir so teilweise während des Drehs sehr flüssig durch den Dialog, ohne dass z.B. auf eine Frage keine Antwort gewusst wurde.

Das Filmen hat Stephan übernommen. Nach den Drehs hat er ebenfalls die Videos geschnitten und mit Musik hinterlegt. Für einige der Videos habe ich noch Texte eingesprochen und Bilder gesendet, die er dann eingearbeitet hat.

Erstellung der einzelnen Texte

Nach dem Brainstorming mussten die Texte für die Missionen und die Community-Beiträge ausformuliert werden. Das Ganze sollte in einer einfachen Sprache sein, die für Kinder und Jugendliche gleichermaßen gut verständlich ist. Wichtig war außerdem, dass die Texte motivierend formuliert sind.

Materialerstellung

Es mussten einige Materialien erstellt oder bearbeitet werden. Ich habe die Logos auf den Arbeitsblättern aus den Experimentierkisten für Kniffelix angepasst und neue Dokumente erstellt. Dies waren zum Beispiel Schablonen für den Modellbau (wenn man kein Lego verwenden kann oder möchte) und ein Keksrezept (falls man den Keks-Hubschrauber aus einem unserer Videos nachbauen möchte). Darüber hinaus habe ich die benötigten Fotos für die Missionen, die Community-Beiträge, die Quizze und Videos selber gemacht oder gesucht.

Im Rahmen der HOOU sollen die Projekte Open Educational Ressources (OER, also freie Bildungsmaterialien) produzieren. Da das Ziel von OER unter anderem ist, dass diese auch verbreitet und weiterverarbeitet werden können, war es mir ein großes Anliegen, neben der Erstellung eigener OER nach entsprechenden Materialien zu suchen, die wir in unserem Rätsel mit einbinden können. Das waren unter anderem Bilder, aber auch ein Tutorial, in welchem das Zeichnen in der isometrischen Perspektive Schritt für Schritt gezeigt wird. Diese Materialien habe ich dann unter Nennung der entsprechenden Lizenz eingebunden.

Bild 5: “Atlanta GA 1963” by davecito is licensed under CC BY 2.0

Erstellung des Rätsels in WordPress

Bevor nun alles auf der Kniffelix-Webseite eingearbeitet werden konnte, musste ich mich mit WordPress vertraut machen, da ich vorher noch nie eine Webseite erstellt habe. Das war jedoch einfacher als vermutet. WordPress ist relativ selbsterklärend. Ich habe schnell herausgefunden, dass für ich die einzelnen Missionen Seiten und für die Communities, in denen die Kinder und Jugendlichen kommentieren können, Beiträge erstellen musste. Ich habe dann die benötigten Seiten und Beiträge erstellt und mit den bereits vorhandenen Inhalten (z.B. Texte, Bilder) gefüllt oder Platzhalter eingefügt, wo etwas fehlte.

Es gab nur einige Einstellungen, die dann doch etwas kniffeliger waren, zum Beispiel, wie ich das Aufklapp-Menü erweitere, in dem es Teaser zu den einzelnen Rätseln gibt.

Bild 6: Ausklapp-Menü mit Kurzinfos zu den einzelnen Kniffelix Rätseln

Nach etwas Suchen habe ich es dann aber herausgefunden. Ich musste hierfür in WordPress zum Menüpunkt „Accordions“ gehen und dann auf den Reiter „Content“. Dort konnte ich einen neuen Eintrag hinzufügen und sowohl den Text als auch die Bilder einfügen.

Bild 7: WordPress Menüpunkt “Accordions”
Bild 8: Im WordPress Menüpunkt “Accordions” können unter dem Reiter “Content” sowohl Texte als auch Bilder eingefügt werden.

Erstellung der Quizze

Um dem Hubschrauber Rätsel auch immer wieder einen spielerischen Aspekt zu liefern, sollten verschiedene Quizze integriert werden. Nachdem ich mir die Möglichkeiten von H5P angeschaut habe, habe ich mir überlegt, welche Art von Quiz ich wo platzieren möchte. Ich habe Fragen sowie Antwortmöglichkeiten oder Lösungen formuliert und alle benötigten Bilder zusammengestellt. Zeichnungen, die wir per Hand erstellt haben, habe ich gescannt und ausgeschnitten. Die Quizze habe ich dann mit H5P über ein Plug-in direkt in WordPress erstellt und an den entsprechenden Stellen eingebunden.

Bild 9: Kniffelix-Quiz zu 2D und 3D Ansichten

Feedback einholen und Erproben

Als das Rätsel fast fertig war, konnten wir im September in zwei Workshops für Schüler*innen der 5. und 6. Klasse zum Erde Rätsel eine Sneakpreview zum Hubschrauber Rätsel geben. Die Schüler*innen haben sich das Intro-Video angesehen und ihr Feedback dazu gegeben. Ebenso haben wir das neue Rätsel auf einer Lehrerfortbildung im September vorgestellt. Wir haben Fragen dazu beantwortet, Unklarheiten beseitigt und Verbesserungsvorschläge eingeholt. Verbesserungsvorschläge waren zum Beispiel, dass das Intro-Video an einer Stelle gekürzt und die Fragestellung in einem der Quizze anders formuliert werden sollte. Beides haben wir im Anschluss an die Lehrerfortbildung korrigiert. Außerdem haben wir nachgefragt, ob die Lehrer*innen das Rätsel in ihrem Unterricht nutzen würden.

Kurz nach der Veröffentlichung des Hubschrauber Rätsels konnte es bereits im Oktober in einem Workshop für Schüler*innen der 4. Klasse im Rahmen des Seitenstark Medientags in Erfurt getestet werden. Wir bekamen so direkte Rückmeldung der Kinder und auch der Lehrerin, die den Workshop begleitet hat. Die Schüler*innen hatten im Workshop die Möglichkeit, mit Tablets ihre Arbeitsergebnisse zu fotografieren und auf Kniffelix zu posten. Sie hatten großen Spaß daran, so aktiv an der Website teilnehmen zu können. Ein ganz besonderes Highlight war dabei, dass sie auch hinter die Kulissen schauen konnten, was passiert, wenn sie einen Kommentar schicken. Sie haben gesehen, wie die Kommentare bei uns in WordPress ankommen, um geprüft zu werden. Sie konnten so am Entscheidungsprozess, ob ein Kommentar freigeschaltet werden darf oder nicht, teilnehmen. Das hat die Schüler*innen noch einmal mehr dafür sensibilisiert, was sie von sich selber preisgeben dürfen und wie sie mit anderen umgehen. Im Januar haben wir einen weiteren Workshop in einer Schul-AG mit Schüler*innen aus 3. und 4. Klassen durchgeführt. Nachdem sie das Hubschrauber Rätsel kennengelernt und Quizze am Smartboard ausprobiert hatten, haben sie gemeinsam zwei Kommentare gepostet. Auch hier gab es einen Blick hinter die Kulissen.

Highlights

Es waren ganz besondere Highlights, zu sehen, wie motiviert und hilfsbereit einige Personen aus der Öffentlichkeit am Projekt mitwirken, und auch, wie sich die Kniffelix-Community entwickelt. Ziel in dieser Projektlaufzeit ist es unter anderem, die Community-Betreuung und somit auch die Teilnahme an der Community zu erhöhen. Einige der Kinder sind auch noch einige Zeit nach den Workshops weiter im Community-Bereich präsent und posten Kommentare oder Fotos Ihrer Ergebnisse. Außerdem arbeiten sie sich nach und nach auch durch die anderen Rätsel. Es entsteht mittlerweile ein schöner Austausch in der Community. Es werden zum Beispiel Fragen an die Community gestellt, was für ein Material für das Modell benutzt werden soll, und es gibt dann Rückmeldungen aus der Community dazu. Die erhöhte Betreuung der Community, in dem ich auf viele der Post antworte, führt ebenfalls dazu, dass die Teilnehmer immer wieder in die Community-Beiträge zurückkehren und wiederum antworten.

Hürden

Hürden gab es im Projekt natürlich auch. Zum einen hat das Schneiden der Videos aufgrund von anderen Aufgaben des Videoproduzenten länger gedauert als geplant, wodurch sich die Veröffentlichung des Rätsels verzögert hat. Nachdem alle Videos dann fertig waren, die ich für die einzelnen Missionen brauchte, habe ich das Rätsel veröffentlicht. Die Interviews für den Exkurs des Rätsels fehlten zu dem Zeitpunkt noch, jedoch habe ich diese bereits in der Missionsübersicht angekündigt.

Bild 10: Ankündigung des Exkurses im Hubschrauber Rätsel

Eine weitere Hürde für den Exkurs waren die langen Wege bis zur Genehmigung, dass wir das Interview mit einer Firmenmitarbeiterin veröffentlichen dürfen. Dies war ein großer Unterschied zu den Interviews mit den Student*innen. Dort brauchten wir nur die Genehmigung des Studenten / der Studentin. Im Interview mit der Firmenmitarbeiterin mussten wir einerseits ihre Genehmigung einholen, was sehr schnell ging, aber andererseits auch die der Firma. Hier mussten mehrere Personen aus der Unternehmensführung Rückmeldung geben. Dies hat einige Zeit gedauert. Nachdem wir die Rückmeldung hatten, welche Änderungen vorgenommen werden sollen, haben wir das Video entsprechend angepasst und erneut zur Genehmigung versandt. Auch hier hat die finale Genehmigung wieder einige Zeit in Anspruch genommen, sodass wir das Interview erst im Februar veröffentlichen konnten. Aber auch hier habe ich das Interview bereits im Voraus auf der Homepage angekündigt.

Bild 11: Ankündigung eines weiteren Interviews im Exkurs des Hubschrauber Rätsels

Fazit

Zuerst einmal sei gesagt, dass es einen riesen Spaß gemacht hat, das Hubschrauber Rätsel zu erstellen. Und darüber hinaus habe ich in diesem Projekt auch noch viel gelernt. Dies ging von der Nutzung von WordPress über das Planen von Videodrehs bis zu praktischen Erfahrungen im Entwicklungsprozess. Ich weiß nun, für welche Dinge ich mehr Zeit einplanen muss, wo Hürden sind und wie ich diese minimieren kann. All diese Erfahrungen werden mir die Erstellung des nächsten Rätsels erleichtern. Eine neue Herausforderung für das nächste Rätsel stellt nun die aktuelle Situation durch die Ausbreitung des Corona-Virus. Ich bin gespannt, wie wir diese Hürde meistern werden und welche tollen neuen Ideen für das nächste Rätsel aufgrund der veränderten Prozesse im Arbeitsalltag entstehen.

Dieser Beitrag wurde verfasst von Jennifer Lehmann.

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